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Hilfe für geflüchtete aus der Ukraine am Kölner Hauptbahnhof

Auch wir sind momentan fast 24 Stunden am Tag mit unseren Helfer:innen im Einsatz und betreuen die dauerhaft besetzte Anlaufstelle für Geflüchtete am Breslauer Platz! Wir organisieren mit anderen Organisationen Unterkünfte für geflüchtete Menschen aus der Ukraine, stellen eine individuelle Versorgung mit notwendigen Dingen sicher und bieten einen Ort mit warmem Essen und Spielmöglichkeiten für Kinder bereit.


Pressemitteilung des zweiten Vorsitzenden des FDKS e.V. zur Anlaufstelle für geflüchtete Menschen am Breslauer Platz – 12.03.2022

Seit nun einer Woche sind wir als Freunde der Kölner Straßen zusammen mit dem Blau-Gelben-Kreuz,
dem Team Seyyah und vielen weiteren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern am Breslauer Platz aktiv
und versorgen und betreuen die ankommenden geflüchteten Menschen aus der Ukraine.
Mir ist es nun wichtig, einige Dinge zu erläutern, die aus meiner Sicht in der öffentlichen Darstellung der
Situation vor Ort keine oder zu wenig Erwähnung finden.

Am Samstag, den 05.03.2022, bezogen wir am Breslauer Platz mit unserem Kältebus Stellung, um den
bereits am Tag zuvor anwesenden Helferinnen und Helfern des Blau-Gelben-Kreuzes unter die Arme zu
greifen. Unterstützung erhielten wir dabei vom Team Seyyah und zahlreichen weiteren wundervollen
Menschen, die in keiner der vor Ort anwesenden Organisation aktiv sind. In der ersten Nacht lief der
Empfang und die Verteilung der ankommenden Menschen aus der Ukraine ausschließlich über uns
Ehrenamtler. In jener Nacht, die wir wahrscheinlich alle nicht mehr vergessen werden, holten wir die
Geflüchteten am Gleis ab, begleiten Sie zu unserem Bus, wo sie Nahrung, Getränke und Hygieneartikel
erhielten. Im Anschluss versuchten wir, sie in eine Unterkunft der Stadt zu vermitteln. Nach jeder
Vermittlung lag eine Ungewissheit in der Luft, ob für die nächste ankommende Familie noch ein Zimmer
irgendwo frei sein wird, oder ob wir irgendwie sonst eine Lösung finden mussten. Viele Helferinnen und
Helfer blieben bis in die frühen Morgenstunden. Erleichtert wurde und wird unsere Arbeit durch die
Angestellten der DB und die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission, die uns zu jederzeit massiv unterstützt
haben. Auch bei Geschäften im Hauptbahnhof wie Backwerk oder Reformhaus Bacher wurde uns zu
jederzeit geholfen.

Am Tag darauf wurde durch die Stadt Köln die Anlaufstelle neben unserer provisorischen Einrichtung
errichtet. Die Einsatzleitung bat uns, auch weiterhin vor Ort aktiv zu bleiben und mit unserer Infrastruktur
und unserem Netzwerk an ukrainisch- und russisch-sprachigen Menschen zu helfen. Dafür wurde uns
versprochen, dass für alles gesorgt werde: warme Mahlzeiten, Hygieneartikel, Spielzeug für ankommende
Kinder.

Dieses Versprechen wurde bis heute nicht eingelöst. Die komplette Versorgung der geflüchteten
Menschen vor Ort wird ausschließlich durch Spenden organisiert und finanziert. Die warmen Mahlzeiten
werden bis zum heutigen Tag von unserem Verein bestellt, die Kosten belaufen sich bereits auf mehrere
tausend Euro.

Auch bei der Verteilung von Geflüchteten gab es häufig vor allem bürokratische Probleme, sodass wir
viele Menschen auf eigenen Faust in Hotels und Hostels unterbrachten. Die Kosten dafür wurden uns in
der Regel nicht in Rechnung gestellt, dafür möchte ich mich noch einmal von ganzem Herzen bei der
Betreibern bedanken, ohne die einige Menschen in den Nächten kein Bett zum Schlafen gehabt hätten.

Den Transport zu den jeweiligen Unterkünften haben auch wir als ehrenamtliche Helfer organisiert, die
Taxi-Kosten wurden durch Spenden und unseren Verein beglichen. Einige nicht von uns vermittelte
Unterkünfte waren in einem so katastrophalen Zustand, dass die Geflüchteten zurückkamen und neu
vermittelt werden mussten.
All dies zeigt, wie wenig die Stadt auf die jetzige Situation vorbereitet war und ist. Auch heute würde

ohne die freiwilligen Helfer die komplette Logistik nicht funktionieren. Würden wir uns von jetzt auf
gleich zurückziehen, würde das komplette System in kurzer Zeit zusammenbrechen. Dies kommt für uns
selbstverständlich nicht in Frage, da die größten leidtragenden die Geflüchteten wären.
Allerdings möchte ich klarstellen, dass die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr sowie den
Hilfsorganisationen und Angestellten der Stadt Köln vor Ort sehr gut funktioniert. Wir stimmen uns eng
ab, pflegen ein sehr kollegiales, wenn nicht sogar freundschaftliches und persönliches Verhältnis und
versuchen für jedes auftretende Problem irgendwie eine Lösung zu finden.
Jedoch sind viele unserer Helferinnen und Helfer nah an ihrer Belastungsgrenze. Vor allem die
ehrenamtlichen Übersetzerinnen und Übersetzer sind einer sehr starken Belastung ausgesetzt. Sie sind
die ersten Ansprechpartner für die geflüchteten Menschen. Die Kommunikation erfolgt nahezu
ausschließlich über sie. Sie sind es auch, die den Menschen aus der Ukraine die Komplikationen, die vor
Ort auftreten, erklären und sich dafür rechtfertigen müssen. Sie sind es, die direkt an den Menschen dran
sind und dadurch auch mit den schrecklichen Geschichten aus dem Krieg konfrontiert werden, die sie
selber erst einmal verarbeiten müssen. Viele von uns sind von Frühabends bis Spätmorgens vor Ort, viele
von uns schlafen wenig und schlecht. Auch ich bin seit Beginn täglich mindestens zehn Stunden „im
Einsatz“ und versuche mit anderen Helferinnen und Helfern, die Lage vor Ort so gut wie möglich zu
koordinieren.

In Kürze soll die Station am Breslauer Platz zum Busbahnhof des Hauptbahnhofs umziehen. In die
Organisation sind wir nicht eingebunden, alles wurde über unseren Kopf hinweg entschieden. Wir wissen
auch nicht, wann die Stadt unsere Aufgabe übernimmt und wir entlastet werden. Eine wirkliche
Kommunikation findet nicht statt. Der Zeitpunkt des Umzugs ist für uns maximal unglücklich und eine
zusätzliche Belastung.

Mir geht es schlussendlich nicht um Schuldzuweisungen oder Ähnliches. Meine Absicht ist es nicht, mit
dem Finger auf irgendwen zu zeigen. Ich möchte einfach nur unsere Situation und unsere Perspektive
schildern, die momentan kaum wahrgenommen wird. Wenn überhaupt werden wir als ehrenamtliche
Helferinnen und Helfer in Presseartikeln nur in einem Nebensatz erwähnt, während offizielle Vertreter
von Stadt und Land vor unserer Arbeitsstelle für Fotos posieren und sich gegenseitig auf die Schulter
klopfen. Ich hoffe, dass ich mit dieser Mitteilung zumindest ein klein bisschen unseren Standpunkt
nahelegen konnte und was die vielen tollen Menschen vollkommen uneigennützig seit einer Woche
leisten.



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